Ein toller Start trotz Eis und Schnee
Bei Schneetreiben und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gab Bundespräsident Horst Köhler gut gelaunt den Startschuss für den einjährigen Kulturmarathon im Revier. Rund 1.200 geladene Gäste saßen mit den von den Organisatoren eigens zusammengestellten „Überlebenspaketen“ aus Sitzkissen, Handwärmern, Regencapes und Wolldecken beisammen. Über 100.000 weitere Besucher waren trotz der Wetterlage gekommen und zitterten – ganz im Sinne Fritz Pleitgens – für eine gute Sache. Ein besonderes Highlight bildete die Premiere Herbert Grönemeyers neuer Ruhr-Hymne „Komm zur Ruhr“.
„Die Ernennung des Reviers zur Kulturhauptstadt sei ein großer Gewinn für das Ruhrgebiet und für ganz Deutschland“, sagte Köhler bei der Eröffnungsfeier in der Zeche Zollverein in Essen. Und auch wenn Schnee und Eis nicht gerade für optimale Bedingungen zum Feiern auf der Freiluftbühne des zum Weltkulturerbe erklärten Geländes sorgten, war die Stimmung bei allen Beteiligten und den Besuchern erstklassig.
Trotz tagelanger Spekulationen über eine mögliche Absage wegen des Schneeeinbruchs und vor allem des scharfen Nordostwindes ließ sich RUHR.2010-Chef Fritz Pleitgen mit der Eröffnungsfeier nicht beirren. Etwas kurios wirkte allerdings an diesem frostigen Tag das Motto „Wir sind das Feuer“ – vor allem, wenn man bedenkt, dass alle Akteure und Musiker mit Handschuhen und Schal auftraten.
In seiner Rede erinnerte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso daran, dass die Idee des modernen Europas mit Kohle und Stahl begonnen habe. Heute sei der „Kohlenpott“ ein „Meltingpot“ – also ein Schmelztiegel – der Völker und Kulturen. 25 Jahren nach Athen als erster Kulturhauptstadt im Jahr 1985 sei das Ruhrgebiet ein würdiger Titelträger und ein Meilenstein zur Stärkung der europäischen Integration. Schließlich habe die Region durch Vielfalt in Kunst, Kultur, Handel, Gewerbe und auch im Fußball bewiesen, dass das Motto „Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel“ hier auch gelebt wird.
Hoffen wir nun also, dass die Ruhrmetropole diesem Anspruch gerecht wird.
RUHR.2010 in Zahlen
Mit 5,3 Millionen Bewohnern ist die Ruhrmetropole als Kulturhauptstadt Europas ausgewählt worden. Die 53 Städte des Reviers wollen die Gelegenheit nutzen, das Image von Kohle und Stahl abzuschütteln und verdeutlichen, dass sich der ehemalige Industriestandort Ruhrgebiet zu einer komplexen Dienstleistungsgesellschaft mit einer innovativen Medienlandschaft entwickelt hat. Darüber hinaus steht die kulturelle Vielfalt der Region im Fokus. Dafür wurden rund 62,5 Millionen Euro bereit gestellt. Geplant sind insgesamt 300 Projekte und 2500 Veranstaltungen, zu denen fünf Millionen Besucher erwartet werden.













